Mokuso - Denken ohne zu Denken

Autor: Wim van Mourik

Die Meditation bei den Kampfkünsten trägt den Namen Mokuso. Sie findet immer am Beginn und am Ende eines jeden Trainings statt und wird von Anfängern, Fortgeschrittenen und vom Meister geübt. Wenn wir zum Dojo gehen, kommen wir von der Arbeit, von der Familie oder von der Uni. Jeder denkt und atmet unterschiedlich. Durch das Üben von Mokuso stimmen wir uns alle aufeinander ein. Wir bringen uns durch die Konzentration auf Atmung und Haltung in Einklang miteinander und mit uns selbst.
Mokuso stammt aus dem Mokusho-Zen, was geprägt wurde von Zen Meister WANSHI SHOGAKU (1091-1157). Mokuso ist eine Zenübung und in den japanischen Kampfkünsten hat die Meditation eine herausragende Bedeutung. Mokuso ist stilles Sitzen in der Sei-za Position. Beim stillen Sitzen werden die endlosen Ketten von Gedanken, die für die eigene innere Unruhe verantwortlich sind, durchbrochen, und sie legen sich wie die Wellen auf dem Meer. Der Geist wird ruhig, klar und unkompliziert. Deswegen sagt man im Zen: das Denken ist wie ein wilder Affe und die Ausatmung ist das Seil womit man diesen wilden Affen an einen Pfahl bindet und zur Ruhe bringt.
Das Wesentliche bei dieser Übung ist die Praxis mit dem Körper und der Atmung: Nachdem wir die Sei-za Position eingenommen haben und nach dem Kommando Mokuso konzentrieren wir uns auf alle Punkte der Haltung und der Atmung.
Von Anfang an: die Hüfte aufrichten und das Becken etwas nach vorne neigen.
Jetzt bilden der untere Rücken und die Knie ein Dreieck, das Fundament der Haltung, worauf wir die Wirbelsäule gerade aufrichten und den Nacken strecken und mit dem höchsten Punkt des Schädels nach oben in den Himmel stoßen.
So sitzen wir jetzt vom Rücken her aufrecht, gerade, stabil und ohne zu schwanken.
Die Ohren befinden sich mittig über den Schultern und die Nasenspitze in einer Linie mit dem Bauchnabel.
Die Zunge liegt oben am Gaumen hinter der Zahnreihe an.
Wir legen die rechte Hand mit der Innenfläche nach oben so auf den Oberschenkel, dass die seitliche Fläche des kleinen Fingers den Unterbauch berührt.
Die linke Hand wird auf die gleiche weise auf die rechte Hand gelegt. Die Daumen befinden sich in einer geraden Linie und berühren sich leicht ohne Spannung an den Daumenspitzen.
Die Schultern und den Brustraum völlig entspannen und loslassen, so dass die Arme natürlich nach unten fallen.
Der Blick bleibt halboffen und richtet sich ca. einen Meter vor uns, wobei wir uns nach Innen konzentrieren.
Nachdem wir uns so optimal wie möglich aufgerichtet haben, lenken wir unsere vollständige, ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Atmung: ruhig und ohne Spannung durch die Nase einatmen; das Einatmen endet ganz natürlich wenn die Lungen gefüllt sind und es nicht weitergeht.
Die Ausatmung sollte sanft, weich und ohne Geräusch sein.
(Wenn man eine Taubenfeder unter die Nase hält, sollte die sich nicht bewegen).
Einfach die Atmung lang und tief sinken lassen, wobei der ausgedehnte Bauch in sich zusammenfällt.
-bitte nicht pressen-
Man atmet solange nach unten aus, bis man das Verlangen nach Einatmung verspürt, so bleibt der Rhythmus natürlich und geht automatisch wie von selbst.
Mokuso ist die Konzentration auf das Nichtstun. Man hört auf seinen Gedanken zu folgen und dadurch immer nur sich selbst wahrzunehmen. Es ist sich leermachen. Die Teemeister sagen nur in eine leere Tasse passt Neues hinein.
Das Ziel von Mokuso ist Mushin, der leere Geist, der dann voll aufnahmefähig ist im gegenwärtigen Moment, hier und jetzt, um klar und spontan zu handeln ohne Einmischung der eigenen Meinung und Idee.
Wir konzentrieren uns auf das, was wir tun, und nicht aus der Haltung heraus „Ich weiß wie das geht“. So bleibt der Geist frisch- wie der Anfängergeist- und das Handeln wird Ausdruck des Inneren Selbst.
Die Korrektheit und Genauigkeit aller Details und der Form ist wichtig, wie beim Iai.
Doch die wahre Haltung ist unvollkommen, wenn sie keine Energie, keine Ausdruckskraft hat.
Ein Zitat von Sagawa Sensei:
Das Ki muss die Form ausfüllen!