Iaido - die japanische Schwertkampfkunst

Zentraler Inhalt des Iaido ist das Üben von "Kata" - festgeschriebener Bewegungsabläufe, die inhaltlich einem Schwertkampf entsprechen. Sie werden mit einem Holzschwert, Übungsschwert (Iaito) und bei fortgeschrittenem Niveau mit einem scharfen Schwert (Katana/Shinken) vollführt, wobei sich der Übende einen oder mehrere Gegner vorstellt, der Situation entsprechend agiert und die Gegner besiegt. Iaido fördert so die Entwicklung von Eigenschaften wie Kampfgeist, Präzision, Ästhetik, Konzentration und innerer Ausgeglichenheit. Diese Eigenschaften helfen uns über die Iaido-Übung hinaus unsere jeweilige Lebenssituation zu meistern und so in Einklang mit uns selbst und unserer Umwelt zu kommen.

Unser Verein ist dem Deutschen Iaido Bund e.V. (DIaiB e.V.) angeschlossen. In diesem wird als Grundlage, neben den traditionellen Schulen, das Iaido der ZEN NIHON KENDO RENMEI (Alljapanischer Kendoverband) vermittelt. Diese aus mittlerweile zwölf Formen bestehende Grundschule ist 1968 geschaffen worden. In ihr finden sich Techniken vieler historischer Schwertkampfstile wieder. Im ZNKR-Iai werden weltweit Prüfungen und Wettkämpfe abgehalten. Damit besitzen wir eine für alle einheitliche Ausbildung, die offen und überprüfbar, auch für Interessierte anderer Budokünste, ist. Der Traditionslinie unserer Sensei folgend wird zusätzlich zum ZNKR-Iaido die traditionelle Stilrichtung Muso Shinden Ryu ausgeübt. Jedoch erfolgt die Übung darin erst ab dem 1.Dan.

Die Bedeutung von Iaido

Das Wort Iaido besteht aus zwei Silben: iai und do. Die Silbe "iai" setzt sich aus zwei Schriftzeichen zusammen. "I" bedeutet "sein" und "ai" bedeutet "zusammen" oder "Harmonie". Beides zusammen bedeutet soviel wie „ganz dabei sein“. Die zweite Silbe "do" bedeutet "Weg". Mit diesem Weg ist der Verlauf der persönlichen Entwicklung und Ausbildung gemeint. Im Mittelpunkt des do steht immer das Üben einer bestimmten Fertigkeit mit einem überwiegend spirituellen Aspekt. Anders als bei europäischen Sportarten, in denen die charakterliche Bildung nur eine Randerscheinung ist, wenn sie denn überhaupt passiert, steht diese beim do im Mittelpunkt. Das Ziel liegt in der Ausbildung der in jedem Menschen befindlichen Fähigkeiten, damit er sein Leben mit Bewusstsein und Erkenntnis füllen kann.

Aufgabe des Iaido ist das Erlernen, wie man das Schwert in allen möglichen Situationen gezielt und sicher bewegen kann. Dies alleine reicht aber nicht aus. Denn dann würde man bei der Schwertkampftechnik Iaijutsu stehen bleiben. Hier ist irgendwann kein wahrer Fortschritt mehr möglich. Darüber hinaus geht es beim Iaido nicht nur um die Methode, andere mit dem Schwert zu töten, sie zu besiegen, sondern um die Überwindung des eigenen Egos. Das eigene Selbst soll durch das Schwert getroffen und besiegt werden.
Der ernsthaft Übende wird durch die vielen Schwierigkeiten beim Beschreiten des Weges zu einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst gezwungen. Die Überwindung und das stete Bemühen zur Verbesserung sind der Kern der Ausbildung. Die klassische Situation des Schwertkämpfers sich mit seinem Gegner auseinandersetzen zu müssen steht im Iaido stellvertretend für die Handlungen in unserem modernen, täglichen Leben.
Saya no uchi no kachi saya ist das größte Ziel. Siegen, ohne das Schwert zu ziehen.
Iaido beinhaltet letztendlich die vorausschauende und im Einklang mit den Umständen angemessene Handlung.

Die Übung

Trainiert wird traditionell in extra dafür eingerichteten Übungshallen, dojo (der Ort des Weges). Die Kleidung besteht aus einem weiten Hosenrock (hakama), einer Jacke (gi) mit Unterhemd (hadagi) und einem breiten Gürtel (obi). Die Farben sind dunkel gehalten, meistens schwarz oder dunkelblau. In Japan ist es auch üblich in weißer Kleidung Iaido zu üben.
Der Anfänger lernt zu erst die einzelnen Elemente, aus der eine kata besteht. Eine kata ist ein vorgegebener Bewegungsablauf, der einem realen Schwertkampf nachempfunden ist. Jede kata beinhaltet vier Elemente: Ziehen des Schwertes (nukitsuke), Schnitt (kiritsuke), Schwert reinigen (chiburi) und Schwert wegstecken (noto). Das Besondere am Iaido liegt darin, dass jeder die kata für sich alleine übt, die Gegner sind vorgestellt. Ungefährliche Partnerübungen mit dem bokken sind möglich. Mit ihnen können Funktion, Abstand, Timing und Dynamik einer kata verdeutlicht werden. Fehler entstehen alleine aus einem selber. Belastende Gedanken, naive Vorstellungen oder falsche Bewegungen fordern den Übenden. Dadurch wird das Ausführen der an sich natürlichen Bewegungen schwierig, manchmal auch unmöglich. Erst durch die ständige Annahme dieser Herausforderung gelingt allmählich die eine oder andere Bewegung. Der Übende merkt mit der Zeit, dass die ihm fremde Technik vertraut wird. Sie wird zu seiner eigenen.
Diese Einheit von Geist, Körper und Schwert ki ken tai ichi wird in allen Bewegungen angestrebt.

Das Schwert

Das japanische Schwert, katana, ist in der ganzen Welt berühmt. Nicht nur wegen seiner materiellen Eigenschaften. Das Tragen und der Gebrauch dieser Waffe war lange Zeit alleiniges Vorrecht der japanischen Kriegerklasse, der Samurai. Doch ist das katana viel mehr, als nur eine Blankwaffe. Es war und ist immer noch Ausdruck der Samurai-Kultur. Denn es war nicht nur Waffe, sondern es diente auch der charakterlichen Erziehung und Weiterentwicklung der Samurai.
Im heutigen Iaido-Training werden drei Arten von Schwerter benutzt.
Das bokken, ein Holzschwert für Partner-Übungen und Grundlagen-/Aufwärmtechniken. Das iaito, es entspricht einem scharfen Schwert in Form, Länge, Gewicht und Aussehen. Die Klinge ist aber ungeschliffen. Und zuletzt das scharfe Schwert, auch als shinken bezeichnet. Welches aber erst nach vielen Jahren des intensiven Trainings richtig benutzt werden kann.

Geschichte

Die Grundlagen für das heutige Iaido wurden in der Edo-Zeit (1603 – 1868) gelegt. In dieser Zeit, nach einem halben Jahrhundert voller Bürgerkriege, herrschte in Japan eine Zeit des Friedens und der politischen Stabilität. Unter der Herrschaft des Shogunat blühte die Kultur in Japan auf. Damit verloren die Samurai und ihre Kampftechniken immer mehr an Bedeutung. Nicht mehr ständig im Kampf stehend, fand immer mehr eine Aufnahme von spirituellem Gedankengut wie Taoismus und Zen-Buddhismus in den Kampftechniken statt. Bereits zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Ausübung der Schwerttechniken von einigen Schwertkämpfern nicht mehr nur als Kampftechnik gesehen, sondern auch als Instrument zur Erziehung und zur Kontrolle des Selbst.
Allgemein gilt Hayashizaki Jinsuke Shigenobu (1546 - 1621) als Begründer des Iaijutsu und ist damit auch Wegbereiter des Iaido. Der Geschichte nach, hat er eine effektive Schwerttechnik gesucht und entwickelt, um den Mörder seines Vaters mit nur einem Schwertstreich niederstrecken zu können. Später soll sich ihm die wahre Natur des Schwertkampfes während seiner Meditationen eröffnet haben.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das öffentliche Tragen von Schwertern von Kaiser Meiji verboten. Die Schwertkampfkunst kam daraufhin zum erliegen. Nur durch das Engagement von Personen wie Nakayama Hakudo Hanshi (1873 – 1958) kam es zu einem Wiederaufleben der traditionellen Schwertkunst. Er vereinigte mehrere historische Schulen unter den Namen Muso Shinden Ryu (Traum-Geist-Überlieferung-Schule).
Der Begriff Iaido tauchte erst Mitte des 20. Jahrhunderts auf. Unter diesem Begriff werden alle Schwertkampfkünste gefasst, in denen die geistige Ausbildung einen hohen Stellenwert hat.
Noch heute gibt es viele Stile, die ihren Ursprung auf Hayashizaki Jinsuke Shigenobu beziehen. Hierzu gehören zum Beispiel die Muso Jikiden Eishin Ryu und die Muso Shinden Ryu. Beide Schulen sind in Deutschland am weitesten verbreitet.